Dr. Jungberg
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Wie entsteht Krebs?

Für die Aufrechterhaltung der Funktionen unseres Körpers ist die Fähigkeit zur Erneuerung von Geweben eine wichtige Voraussetzung, man denke nur an das Wachstum in den ersten Lebensjahren oder die Wundheilung. Aber auch im Erwachsenenalter werden ständig kontrolliert Zellen abgebaut und durch neue ersetzt. So erneuert sich unsere Haut alle 2-4 Wochen. Hierfür vermehren sich Zellen, indem sie sich teilen. Bei diesem Teilungsvorgang müssen der neu entstehenden Zelle sämtliche Informationen über ihre Eigenschaften und Funktionen mitgegeben werden. Diese Informationen sind, wie in einem Bauplan oder einer Bedienungsanleitung, in den Chromosomen jeder einzelnen Zelle festgelegt. Daher werden bei jeder Zellteilung alle Chromosome, mit allen in den einzelnen Genen festgelegten Informationen, kopiert. Dieser Kopiervorgang ist nicht fehlerfrei. Immer wieder gehen dabei Teile der Informationen verloren, oder ihrer Reihenfolge wird verändert, als ob man die Wörter in einem Satz durcheinander würfelt. Betrifft einer dieser Fehler einen Bereich in den Genen einer Zelle, in dem festlegt ist, wie häufig und wann sich eine Zelle zu vermehren hat, kann es passieren, dass das Zellwachstum nicht mehr wie ursprünglich vorgesehen reguliert wird, sondern unkontrolliert erfolgt. Vermehrt sich diese fehlerhafte Zelle weiter, gibt sie ihren fehlerhaften Bauplan auch an alle aus ihr entstehenden Tochterzellen weiter. Nach und nach ersetzen diese veränderten Zellen das normale Gewebe an ihrem Entstehungsort. Es entsteht ein Tumor.

Man weiß heute, dass meist nicht ein Fehler ausreicht, um aus einer normalen gesunden Zelle eine Tumorzelle entstehen zu lassen. Vielmehr sammeln die durch einen ersten Fehler veränderten Zellen im Laufe der Zeit weitere an, die zu immer mehr Funktionsstörungen führen. So kann die Entwicklung von dem ersten Fehler über mehrere Vorstufen, die noch nicht alle Eigenschaften eines „bösartigen“ Tumorzelle aufweisen, bis zum eigentlichen „bösartigen“ Tumor, den man dann als Krebs bezeichnet, mehrere Jahre dauern. Durch äußere Einflüsse, wie z. B. radioaktive Strahlung oder bestimmte Chemikalien, wie sie in Tabakrauch vorhanden sind, erhöht sich die Häufigkeit mit der Fehler bei der Zellteilung auftreten. Das jedoch ein bestimmter Fehler auftritt, der zu einer Tumorzellentwicklung führt, ist letztendlich ein zufälliges Ereignis, der größte Unfall bei einer Zellteilung.


Was ist Chemotherapie?

Die zur medikamentösen Behandlung von Tumorerkrankungen benutzten Substanzen werden unter der Bezeichnung Chemotherapeutika zusammengefasst, wobei genaugenommen zu der Medikamentengruppe auch die Antibiotika gehören. Bei Chemotherapeutika handelt es sich somit um eine Gruppe von Medikamenten, die bei ganz unterschiedlichen Tumorerkrankungen wirksam sind und sich auch in ihren Nebenwirkungen unterscheiden. Gemeinsam ist den Chemotherapeutika, dass sie in den Zellteilungsvorgang eingreifen und somit verhindern können, dass Zellen sich weiter vermehren. Da Tumorzellen sich besonders häufig teilen, können diese durch Chemotherapeutika abgetötet werden. Die Medikamente behindern jedoch auch für eine bestimmte Zeit die Teilung und damit Vermehrung normaler gesunder Zellen im Körper. Hierdurch erklären sich einige Nebenwirkungen, die während einer Chemotherapie auftreten können. So haben einige Chemotherapeutika auch eine hemmende Wirkung auf die Haarwurzelzellen, wodurch die Haare zu Beginn der Behandlung eine Bruchstelle erhalten. Dadurch kommt es ca. 2-3 Wochen nach der Gabe einiger Medikamente zu einem Ausfallen der Kopfhaare, während Augenbrauen und Wimpern, die langsamer wachsen, nur selten betroffen sind. Es gibt aber auch Chemotherapeutika, die nicht zu einem Haarverlust führen. Weitere sich häufig erneuernde und dadurch während einer Chemotherapie in ihrer Funktion gestörte Gewebe im Körper sind die Zellen der Blutbildung im Knochenmark und die Schleimhäute des Magendarmtraktes.

Um die unerwünschte Wirkung einer Chemotherapie auf die normalen Gewebe im Körper nicht zu stark werden zu lassen, werden Chemotherapien meist in Form von Therapiezyklen verabreicht. Das heißt, nach einer Medikamentengabe wartet man einen gewissen Zeitraum, bis die Wirkung auf gesunde Gewebe, z. B. die Blutbildung, völlig abgeklungen ist und wiederholt dann die Behandlung. Meist beträgt der Abstand zwischen zwei Therapiezyklen 2-3 Wochen, ist aber letztlich abhängig von dem jeweiligen Therapieschema. Auch wöchentliche Schemata gibt es.

Da Tumorzellen im Laufe einer Behandlung Mechanismen entwickeln können, die zu einer Abschwächung der Wirksamkeit von Chemotherapeutika führen, werden bei der Behandlung in der Regel Medikamente mit verschiedenen Angriffspunkten an der Tumorzelle miteinander kombiniert. Zudem erreicht man mit einer Kombination aus verschiedenen Medikamenten häufig eine höhere Wirksamkeit im Vergleich zu einer Behandlung mit nur einem Medikament. Man bezeichnet eine Kombination aus verschiedenen Medikamenten als "Therapieschema". Der Name eines solchen Therapieschemas wird aus den Anfangsbuchstaben der verwendeten Medikamente gebildet.


Was sind Metastasen?

Ein Tumor entsteht durch einen Fehler, der sich bei der Teilung einer Zelle ereignet. Den hieraus, zum Beispiel im Darm entstehenden Tumor, bezeichnet man als Primärtumor. Tumorzellen dieses Primärtumors verlieren im Laufe ihrer Entwicklung zum Teil die Eigenschaft, nur in einem zusammenhängenden Gewebe zu wachsen. Sie können sich dann aus dem Gewebeverband lösen und werden über das Blut oder die Lymphgefäße in andere Organe, z. B. die Lunge oder die Leber, verschleppt. Dort vermehren sie sich weiter und es entsteht eine Absiedlung des ursprünglichen Tumors. Diese Absiedlung in anderen Organen, entfernt von dem Primärtumor, nennt man Metastase.

Vor dem Beginn der Behandlung eines Tumors wird in der Regel eine Suche nach Metastasen durchgeführt. Dies ist deshalb wichtig, weil eine Heilung eines Tumors durch eine Operation nur möglich ist, wenn mit großer Wahrscheinlichkeit mit der Operation alle Tumorzellen aus dem Organismus entfernt werden. Beim Vorhandensein von Metastasen ist dies durch eine alleinige Operation oft nicht möglich, so dass weitere Therapieverfahren, wie eine Bestrahlung oder eine Chemotherapie mit in die Behandlung mit eingeplant werden müssen.


Supportive Therapie

Zur Behandlung von tumorbedingten Beschwerden und zur Linderung Therapienebenwirkungen sind supportive (unterstützende) Maßnahmen eine wichtige Ergänzung:

Schmerztherapie
Die Angst vieler Tumorpatienten, bei Fortschreiten der Erkrankung eventuellen Schmerzen hilflos ausgeliefert zu sein, ist heute unbegründet. Die vielfältigen Möglichkeiten der modernen Schmerztherapie ermöglichen es bei allen Patienten, den Schmerz zu lindern und in vielen Fällen eine weitgehende Schmerzfreiheit zu erreichen. Bei stärkeren Schmerzen sollten frühzeitig Morphium-Präparate eingesetzt werden. Die oft noch verbreitete Angst vor Abhängigkeit (Sucht) ist dabei völlig unbegründet. Die Wirkung der Schmerzmittel kann durch begleitende Medikamente (z.B. entzündungshemmende, muskelentspannende oder stimmungsaufhellende Mittel) ergänzt werden.

Behandlung von Knochenmetastasen
Durch die Gabe von sog. Bisphosphonaten, bevorzugt als Infusion alle 4 Wochen, können tumorbedingter Knochenabbau und die Entwicklung von Knochenmetastasen aufgehalten werden. Knochenschmerzen werden damit vermindert und die Gefahr von Knochenbrüchen sinkt. Zusätzlich kann im Einzelfall eine Bestrahlung erforderlich sein um schnellere Schmerzlinderung zu erzielen und um einen drohenden Knochenbruch zu verhindern. Bei Schmerzen durch diffuse Knochenmetastasen kann eine deutliche Schmerzlinderung auch durch die Injektion eines radioaktiven Stoffes, der sich im Knochen anreichert, erreicht werden. Bei Metastasen mit Gefährdung der Stabilität (z.B. drohender Wirbelkörper- oder Schenkelhalsbruch) kann durch chirurgische Maßnahmen (Metall- und/oder Zementimplantate) eine drohende Bettlägerigkeit verhindert und dem Patienten wieder weitgehende Mobilität zurückgegeben werden.

Fatigue
Fatigue (ausgesprochen „fatieg") kommt aus dem Französischen und bedeutet Müdigkeit. In der Onkologie versteht man darunter die körperliche und geistige Erschöpfung, welche durch die Erkrankung selbst oder aber durch die erforderliche Therapie ausgelöst wurde. Insbesondere nach hochdosierten und kombinierten Chemo- und Strahlentherapien kann ein langdauerndes Fatigue-Syndrom entstehen, welches die Betroffenen in ihrer Lebensqualität stark einschränkt. Eine häufige Ursache von Fatigue ist eine Blutarmut (Anämie). Während diese früher nur durch die Transfusion von Erythrozyten behandelt werden konnte, ist heute die Gabe des Hormons Erythropoetin möglich. Weitere Behandlungsmöglichkeiten des Fatigue-Syndromes beinhalten Ernährungsberatung, Physiotherapie, dosierte körperliche Aktivität bzw. Sport und ggf. psychotherapeutische oder psychosoziale Beratung.

Dieses gentechnologisch hergestellte Erythropoetin wird einmal wöchentlich unter die Haut gespritzt und stimuliert die Bildung von roten Blutkörperchen. Als Folge kommt es zu einem Anstieg der Erythrozyten bzw. des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin und zu einer besseren Sauerstoffversorgung und Leistungsfähigkeit des Körpers. Weitere Behandlungsmöglichkeiten des Fatigue-Syndromes beinhalten Ernährungsberatung, Physiotherapie, dosierte körperliche Aktivität bzw. Sport und ggfalls psychotherapeutische oder psychosoziale Beratung.

Weitere suppotive Maßnahmen
Dazu gehören:


Nachsorge

Wenn die medizinische Behandlung der Tumorerkrankung abgeschlossen ist, beginnt die Nachsorge. Diese Tumornachsorge hat folgende Aufgaben:

Die Nachsorgeuntersuchungen erfolgen anfangs meist vierteljährlich. Um unnötige apparative Untersuchungen zu vermeiden, damit Kosten zu sparen und den Patienten vor nicht-erforderlichen Strahlen- oder sonstigen Belastungen zu schützen, werden diese nach den Nachsorge-Standards der Deutschen Krebsgesellschaft durchgeführt.

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